Trollas Haushalt Survival Tipps

Ungeahnte Gefahren warten auf jeden, der von zuhause auszieht. Haushalt ist Survival pur. (Oder nur meiner?)

Als ich eben so in meiner mehlbestäubten Küche stand und mich fragte, warum ich nur einmal den Schrank öffnen muss, damit es bei uns aussieht wie nach einer mehrwöchigen Hausparty bei Charlie Sheen, da kam mir der Gedanke: Eigentlich hätte ich für meine eigene Sicherheit nie von zuhause ausziehen dürfen. Denn wenn man das tut, ist man auf einmal tausenden von Gefahrenquellen ausgesetzt. Man läuft zum Beispiel Gefahr, im eigenen Dreck zu ersticken, oder ist durch Mangelernährung davon bedroht, an Skorbut zu sterben. Das sind alles Dinge, auf die einen niemand vorbereitet, wenn man versucht selbstständig zu werden, aber ich finde, wir sollten dringend darüber sprechen.

 

Wenn man von zuhause auszieht, wird das Leben nicht nur wesentlich gefährlicher, es tun sich plötzlich einige schwerwiegende Probleme auf. Das wird einem spätestens in dem Moment klar, in dem man morgens die letzte frische Unterwäsche angezogen hat und mittags zum ersten Mal ganz alleine vor einer Waschmaschine steht, deren Bedienung sich als komplizierte Geheimwissenschaft entpuppt.

 

 

Aber auch geordnete Haushaltsführung ist mir ein Rätsel, obwohl ich vor über vier Jahren von zu Hause ausgezogen bin. Trotzdem stelle ich immer wieder fest, dass es immer noch genügend Dinge gibt, die mich schwer überfordern.

 

 

 

Zum Beispiel Staub und Dreck. Allein ihre Existenz ist der Beweis gegen die Intelligenz einer potentiellen höheren Macht. Wer würde sich allen Ernstes hinsetzen und sagen: „Hey, ich hab da eine geniale Idee: Lass doch in jede Ecke, jede Ritze, jede Falte und Spalte winzige Partikel undefinierbaren und unhygienischen Schlonz tun. Das wird der Hit. Die Leute werden total drauf abfahren!“

 

 

Woher kommt der Dreck? Und damit meine ich nicht Dreck im metaphorischen, sondern im sehr konkreten, klebrigen und krustigen Sinn. Es ist, als hätte eine Armee von Flusen und Fusseln mein bescheidenes Heim als Stützpunkt auserkoren, von dem aus nun die Menschheit unterjocht werden soll – ein Krieg, dessen erstes Opfer meine innere Ruhe ist. Während sich also Unmengen von Unrat, Kompanien von Krümeln und Heerscharen von Haaren zwischen meinen Dielen und auf meinen Dingen sammeln, entwickle ich komplexe Schlachtpläne, die meistens so aussehen:

 

(1) Lautes Geschrei (das meistens in überdramatischen Aussagen gipfelt wie „Ich kann so nicht arbeiten!!11!“).
(2) Eine To-Do-Liste schreiben und aufhängen, auf der außer „PUTZEN!“ nichts steht.
(3) Drei Wochen lang die To-Do-Liste betrachten und sich händeringend fragen, wo man anfangen soll.

 

Die Staubmäuse in unseren Zimmerecken könnten neben unseren Ratten als vollwertige Haustiere gelten. Ich kann drei Stunden staubsaugen und muss dann nur zwei Schritte tun, damit es wieder aussieht, als hätte jemand einen Sandkasten in unserem Wohnzimmer ausgeleert. Es ist, als käme der Dreck aus meinen Füßen – als wären in meinen Fußsohlen kleine Schmutzfabriken, die durch Schlote in meinen Poren ständig Dreck absondern, den ich nichtsahnend überall verteile. Oder als wohnten hinter unseren Schränken böswillige Kobolde, die nachts hervorkriechen und freudestrahlend aus ihren Nasenlöchern Staub spotzen und sich Augenbrauenhaare ausreißen und sie überall verteilen. Das Ganze nimmt solche Ausmaße an, dass ich befürchten muss, eines Tages die Wohnungstür zu öffnen und von einem Tsunami aus Staub und Schmutz überrollt und getötet zu werden. Das ist zum Beispiel eine dieser Gefahren, auf die einen niemand vorbereitet, wenn man zuhause auszieht.

 

 

 

Ein anderes Problem ist, dass man ständig Gefahr läuft zu verhungern oder an Mangelernährung zu sterben. Obwohl ich jetzt schon sehr lange versuche, mich erfolgreich selbst zu versorgen, ist immer noch viel zu häufig am Ende des Geldes furchterregend viel Monat übrig. Letztens haben wir zum Beispiel versehentlich die Haushaltskasse ausgegeben. Es lässt sich schon als Erfolg verzeichnen, dass wir wenigstens das abgegriffene Portemonnaie, in dem wir sonst unser monatliches Budget aufbewahren, noch mit nach Hause brachten. Das ganze Gefrierfach ist jetzt voll mit fettigem Mist, den man im Ofen backen kann. In der Gemüseschublade dagegen siecht nur eine einsame Paprika in sozialer Komplettisolation traurig vor sich hin.

 

(In der Schublade daneben allerdings liegt der größte Bund Suppengrün der Welt. Das kommt, weil ich im Kaufland einen zweiten Bund Suppengrün auseinandergepfriemelt und die Möhren und den Sellerie in meinen Bund dazugepfriemelt habe. Danach hab ich noch den Gammel-Lauch in meinem Riesenbund gegen einen besseren Lauch aus einem anderen Bund ausgetauscht und fertig war das perfekte Verbrechen. Ich glaube, ich koche die größte Suppe der Welt, aber erst, wenn wir die größte Portion tiefgefrorene Kartoffeltaschen der Welt aufgegessen haben, die soeben im Ofen brutzelt, da unser Tiefkühlfach überquillt.)

 

Mit der letztens erworbenen nahrungstechnischen Ausstattung kann ich jedenfalls bestimmt viel gesundes und kreatives Essen kochen. Zum Beispiel Ostblock-Eintopf (Paprika in heißem Wasser). Auch Bergsteigerpfanne (frittierte Kiesel), Katze-im-Sack (Katze im Sack, nach Belieben pürieren) oder Kalter Hund (kalter Hund) könnten nächste Woche auf dem Speiseplan stehen.

 

 

Also alles, was kein Essen enthält, denn davon haben wir im Moment keins. Trotzdem ist unser Geld für diese Woche weg, weil wir völlig albern das Kaufland überfallen, ellbogentief und mit Schaum vor dem Mund in jedem Sonderangebotsstapel herumgewühlt und auf Vorrat günstigen Unsinn für zwischendurch gekauft haben, falls wir mal keine Lust haben zu kochen. Leider besaßen wir nicht die Weitsicht, auch richtige Nahrungsmittel mitzunehmen, falls wir doch mal Lust haben zu kochen (so wie ich jeden Abend).

 

Aber Rettung ist in Sicht: Eben habe ich unter dem Tisch noch eine Vitamintablette gefunden, damit ist unsere gesunde Ernährung für diese Woche ja wohl hinreichend abgesichert.

 

 

 

Ich finde also insgesamt, dass man entweder nicht von zuhause ausziehen oder aber vorher ein ausgiebiges Survival-im-Haushalt-Training besucht haben sollte, sonst sieht man bald ziemlich alt aus – oder so:

 

 

 

 

(Mit lieben Gruß an David, Miterfinder des Ostblock-Eintopfs!)